S 500 oder AMG? So fährt die Benz-Wuchtbrumme (2024)

Unter der Haube warten zum Markstart erst einmal nur zwei Motoren: Der S 500 (Biturbo-V8 mit 335 kW / 455 PS) und der S 63 AMG mit 430 kW / 585 PS. Der Zwölfzylinder S 65 AMG ist beschlossene Sache, bei kleineren Motoren oder einer Diesel-Variante heißt es abwarten. Bei den ersten Testfahrten standen drei Varianten zur Verfügung. So fahren sie sich:

S 500 4Matic

Was der Reihensechszylinder 35i bei BMW, ist der V8 bei Mercedes – eine Idealbesetzung mit Charakter. Der 455 PS starke Achtzylinder im S 500 hält sich sonor grummelnd im Hintergrund, läuft aber zur Höchstform auf, wenn man kräftiger aufs Gas steigt. Trotz doppelter Turboaufladung gleicht die Kraftentfaltung eher einem klassischen Saugmotor, nur ohne den Drehzahlhunger. In 4,6 Sekunden schnellt das Coupé bei Bedarf von 0 auf 100 km/h. Die butterweiche Kraftübertragung übernimmt eine sanft schaltende, aber manchmal eine Gedenksekunde fordernde 7-Gang-Automatik. Die Konkurrenz fährt mit acht Gängen, dafür kommt bei Mercedes (und bei anderen Herstellern) bald die 9-Gang-Automatik.

CLS 63 AMG im Video-Test

Die serienmäßige Luftfederung passt ebenfalls perfekt zum Habitus eines Gran Turismo-Gleiters und nimmt jeder Bodenwelle den Schrecken. Die Lenkung ist eher komfortabel als knackig. Im Vergleich zum Vorgänger CL hat das große Benz-Coupé allerdings an Dynamik gewonnen – in der Form, dass man das stolze Wagengewicht (über zwei Tonnen) nicht mehr so schnell merkt und der Zweitürer für so ein Trumm selbst in schnellen Kurven brav in der Spur bleibt. Natürlich trägt auch der Allradantrieb seinen Teil dazu bei.

S 63 AMG 4Matic

Während der S 500 eher die klassische Luxusyacht für Industriekapitäne ist, bringt die AMG-Version ein bisschen Bad Boy- und Bushido-Image in den Sternenkreuzer. Dazu muss er nicht mal weiß sein wie einst der berühmte CL 63 des Skandal-Rappers – ein mattes Grau steht der Wuchtbrumme aus Affalterbach viel besser. Mit vier trapezförmigen Endrohren und 19-Zoll-Schmiederädern – oder diversen optionalen Radsätzen – ist das AMG-Coupé der Chef auf dem Asphalt-Ring, sozusagen der ultimative Babo-Benz.

In 3,9 Sekunden auf 100

Das schlägt sich auch auf der Piste nieder. 900 Newtonmeter Drehmoment – 200 mehr als beim S 500 - 585 PS und dank Biturbo schon die volle Power knapp über 2000 Touren: Das AMG-Coupé lädt mit einer irrsinnigen Durchzugskraft zum Katapultstart. Mit 3,9 Sekunden auf 100 km/h lässt man abgesehen von einigen Lamborghinis oder Ferraris so ziemlich jeden Sportwagen stehen. Durch Unterdruck öffnende Klappen im Abgassystem sorgen vor allem im Sport-Modus für einen grollend-aggressiven V8-Sound.

Der mit Sportfahrwerk straffer abgestimmte S 63 AMG jagt noch flinker um die Ecken als der S 500 – man hat das Gefühl, in einem kompakteren Auto zu sitzen als in einem fünf Meter langen Straßenkreuzer. Der Allradantrieb ist sehr heckbetont, so dass das Hinterteil schon mal in leichte Wallung geraten kann. Die Höchstgeschwindigkeit des AMG-Brummers liegt abgeregelt bei 250 km/h und offen bei 300 km/h – mit dem 3213 Euro teuren „AMG Driver’s Package“ inklusive Fahrertraining.

S 500 mit Active Body Control

Noch nicht zum Marktstart erhältlich ist der S 500 mit Hinterradantrieb und einer neuen Variation des adaptiven Fahrwerks „Active Body Control“. Dabei tasten Kameras die Straßenoberfläche ab und passen blitzschnell die Stoßdämpfer an – und zwar in der Form, dass die Basis der Feder an der kurvenäußeren Seite nach oben verschoben wird. Ergebnis: Der Wagen neigt sich in die Kurve wie ein Motorradfahrer. Man kann das zumindest in Bildern sogar von außen sehen, da die Neigung bis zu drei Grad beträgt.

„Das ist ein Cruising-System“, betont S-Klasse-Entwickler Hermann-Joseph Storp – sei also nicht dazu gedacht, Rundenzeiten auf der Nordschleife durch höhere Kurvengeschwindigkeiten zu verbessern. Ab 180 km/h ist das System nicht mehr aktiv. Im direkten Vergleich mit dem normalen luftgefedertem Coupé lässt sich nach einer Kurvenjagd immerhin sagen: Das System reduziert spürbar die Querbeschleunigung auf die Passagiere.

Und jetzt zum Preis...

Das Coupé ist das Flaggschiff der Stuttgarter – jedenfalls solange, bis die Cabrio-Version oder die geplante Ultra-Luxus-Version als Maybach-Nachfolger erscheinen. Der Preis lässt die Kinnlade herunterklappen: Das Coupé kostet 125.961 Euro, die AMG-Version 170.586 Euro. Dafür gibt es serienmäßig unter anderem Luftfederung, Lederausstattung, adaptive LED-Scheinwerfer, Navigationssystem, Zweizonen-Klimaautomatik, Tempomat und Panorama-Glasdach. In der Aufpreisliste kann sich der solvente Käufer dann immer noch austoben und vom Head-Up-Display über Highend-Soundanlagen bis zu Holzeinlagen oder der Keramikbremse zum Preis eines Kleinwagens (8270 Euro).

Der Autor reiste auf Einladung des Herstellers

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